Aus der Geschichte der Gruben in Litlabø

Die Gruben in der Zeit 1865-1903

In Rossneset beim Gehöft Litlabø machte Gotschalk Nilsen Evanger den ersten Fund von Schwefelerz auf Stord. Der Fund wurde am 10. Oktober bei der örtlichen Polizei angemeldet. Am folgenden Tag meldete Tørres Dale einen Fund in Nysæter. In kurzer Reihenfolge folgten mehrere Meldungen. Sowohl in Nysæter als in Øvre Litlabø wurden große Vorkommen von Schwefelerz entdeckt, die im Tagebau gewonnen werden konnten. Außerdem war die Lage günstig mit Hinblick auf den Transport auf dem See Storavatnet.

Die Förderung in den Gruben in Nysæter und Litlabø wurde vermutlich 1865 aufgenommen. In den ersten Jahren gab es die größten Gruben in Rossneset und Nysæter. Ab 1874 wurden die Vorkommen in Høgåsen gefördert. Im großen Gesenk bei Nysæter erschwerte die schlechte Belüsftung die Arbeit, und die Förderung wurde 1874 endgültig aufgegeben. In Rossneset gab es bis Ende 1875 eine Bergwerksförderung, in den beiden letzten Jahren mit 25 Beschäftigten. Später war die Grube in Høgåsen, die einzige Grube, wo es eine Förderung gab. Im Gegensatz zu den anderen Gruben wurde diese Grube eine bedeutende Grube und wurde bis September 1900 gefördert. Mehrere Vorkommen lagen weit weg von dem Transportweg, dem See Storavatnet.

In der frühen Periode stand eine Grubengesellschaft in Bergen (Det bergenske grubeselskab) für den Betrieb der Gruben. Diese Gesellschaft kaufte die Hälfte des Gehöftes Øvre Litlabø auf und begann mit der Herstellung von Dynamit in Litlabø, wahrscheinlich, um in der konjukturschwachen Zeit zusätzliche Einkommen zu haben. Für eine kürzere Zeit war auch eine Gesellschaft aus Haugesund in Litlabø präsent. Diese Gesellschaft kaufte die andere Hälfte von dem Gehöft Øvre Litlabø. Die Erzgewinnung dieser Gesellschaft war eher bescheiden, und die Grubengesellschaft in Bergen übernahm 1876 den Anteil der Haugesunder Gesellschaft und wurde somit die einzige Grubengesellschaft in Litlabø.

Interessant ist festzustellen, dass in dieser Periode sämtliche Besitzer Norweger waren. Viele andere norwegische Bergwerke hatten bzw. bekamen allmählich Besitzer aus dem Ausland. 1894 wurde das Bergwerk auf Stord an Stordøens Dynamit Compagnie verkauft, deren Besitzer die Nitroglycerin-Compagnie in Oslo war. Die Gesellschaft setzte sowohl die Produktion von Dynamit als auch die Erzförderung in Høgåsen fort, aber die Erzgewinnung schrumpfte immer mehr. Früh in den 1890er Jahren tauchte ein neuer Förderer auf. Das war Ingenieur Hans Olaf Lind, der ehemalige Bergwerksleiter der Grubengesellschaft aus Bergen. 1884 hatte er die Bergener Gesellschaft verlassen und begann die Bergrechte seiner ehemaligen Gesellschaft aufzukaufen. Unter anderem wurden die Rechte bei den Gruben in Rødkleiv freigegeben. Ingenieur Lind sicherte sich dort die Rechte und leitete eine Probeförderung ein. Er erhielt 1902 die Genehmigung, die Förderung in sämtlichen alten Gruben aufzunehmen. Im Mai des folgenden Jahres durfte er das ganze Gehöft Litlabø mit den Gruben kaufen. Leider konnte er seine Pläne nicht verwirklichen. Er starb im Mai 1904.

Man muss aber feststellen, dass die erhoffte Entwicklung der Gruben ausbleib. Der niedrige Schwefelgehalt des Erzes aus Stord komplizierte das Absetzen auf dem internationalen Markt gegenüber den Konkurrenten mit dem Erz höheren Schwefelgehalts aus sowohl norwegischen Gruben als auch ausländischen europäischen Gruben. Schon in den 1870er Jahren belieferten die Schwefelgruben in Spanien und Portugal den größten Teil des Weltmarktes. Die Erzpreise auf Stord nahmen deshalb ab, und die Gewinnung in den Gruben wurde eingeschränkt. Den Grubenbesitzern war es schwer, bei den schwachen Konjunkturen abbauwürdige Vorkommen zu finden. 1903 wurde die Förderung in den Gruben auf Stord eingestellt. Die kleine Grube in Rødkleiv, deren Betreiber Ingenieur Lind war, war in dieser Zeit die letzte Grube im Betrieb.

Insgesamt wurde in den Jahren 1865-1903 108.909 Tonnen Schwefelerz (aus 85.050 km3 Rohberg) aus den Gruben bei dem See Storavatnet gewonnen. Die Abnehmer waren Gesellschaften in Göteborg, Stettin und Memel, neben norwegischen Firmen in Fredrikstad und Stavanger.

Das Aufbereitungswerk in Litlabø 1910.

Die Gründung der A/G Stordø Kiesgruben
Nach 1903 war die Förderung in den Gruben auf Stord eingestellt, aber bald tauchten neue, ausländische Interessenten auf. Ein Finanzier in Antwerpen, H. Fasting, fand die Schwefelvorkommen auf Stord interessant, und beabsichtigte bedeutende Beträge in eine moderne Grubenförderung zu investieren. 1905 kam Bergingenieur Christian Münster nach Stord. Er war von H. Fasting beauftragt worden, eine genaue Untersuchung der Vorkommen zu unternehmen. Auf der Grundlage seiner Untersuchungen verfasste Münster ein Gutachten, das 1906 nach Antwerpen geschickt wurde. Er schrieb sehr positiv und versprach den Stord-Gruben eine leuchtende Zukunft. Er hatte die Investitionskosten auf 600 000 Kronen eingeschätzt. In diesem Betrag waren ein Aufbereitungswerk, ein Schacht mit Antrieb für den Aufzug, eine große und moderne Kaianlage mit Lagerhallen sowie eine elektrische Eisenbahn enthalten, die von von den Gruben zu dem Kai führte.

Durch die positiven Ratschläge von Münster, wagte der Belgier Fasting in die Vorkommen auf Stord zu investieren. Schon 1904 hatte Münster, als Fastings Stellvertreter, die Stord-Gruben vorkaufsrechtlich gesichert. Fanny Lind, die Witwe nach dem Grubenpionieren Hans Olaf Lind, verkaufte das Gehöft Øve Litlabø mit allen Rechten an Münster für 11.216 Kronen. Dazu hatte sich Fasting den Erwerb mehrerer Erzvorkommen auf Stord zusichern lassen, aber alles geschah im Namen Münsters, weil das damalige norwegische Gesetz, Ausländern keine Schürfrechte zuließ. 1907 übertrug Münster alle Grundbesitze mit Gewinnungsrechten an die neulich gegründete Aktiengesellschaft A/S Stordø Kisgruber (A/G Stordø Kiesgruben).

Die Aktiengesellschaft A/S Stordø Kisgruber wurde am 11. Februar 1907 gegründet. Das Aktienkapital betrug 300 000 norwegische Kronen, und die Gesellschaft Fastings (Minière Belge-Norvégienne) besaß die Mehrheit der Aktien. Am 17. Juni desselben Jahres erhielt Stordø Kisgruber die Fördergenehmigung. Die belgische Gesellschaft sah bald ein, dass der Aufbau nicht so schnell vorangetrieben werden konnte, wie es Münster in seinen Plänen vorsah, und bei weitem nicht so wirtschaftlich günstig. Man folgte den technischen Vorschlägen von Herrn Münster, die durchaus realistisch waren. Im wirtschaftlichen Bereich aber zeigten sich seine Pläne viel zu optimistisch. Die Rettung der Grubenanlage war Kapital aus Deutschland. Im Februar 1908 kam ein Abkommen zwischen der Compagnie Minière Belge-Norvégienne und der deutschen Zellstoff-Fabrik Waldhof zustande. Die deutsche Gesellschaft leistete 300 000 norwegische Kronen als Anlagenkapital und erhielt dadurch zwei Drittel der Aktien. Die große Papiermassenfabrik Waldhof verbrauchte viel Schwefel. Durch ihre Aktienbesitze wurden der Papierfabrik in Deutschland die Lieferungen an Schwefel zugesichert. In den Jahren, wo Waldhof Aktien in der Grubengesellschaft besaß, wurden fast 15 Millionen Kronen in die Gruben investiert, aber die Gesellschaft verzichtete gänzlich auf die Verzinsung ihres Aktienkapitals. Dafür aber bestimmte Waldhof den Preis für das Erz, das an die eigene Gesellschaft verkauft wurde. Die Zusammenarbeit zwischen der belgischen und der deutschen Gesellschaft wurde nie richtig festgelegt. 1912 zog sich Herr Fasting mit seiner belgischen Gesellschaft aus dem Grubenunternehmen zurück, deren Aktienanteil an die Gesellschaft Waldhof übertragen wurde, die dann alle Aktien besaß. Waldhof war, bis auf die Jahre 1917-1924, als Nordisches Ertzkontor in Lübeck die Hälfte der Aktien besaß, von 1912 bis Ende des zweiten Weltkrieges der Alleinbesitzer der Gruben auf Stord.

Eine frühe Fotoaufnahme von dort, wo die Grubeneingänge kamen. Der Förderturm wurde später rechts im Bild oberhalb des abgebildeten Hauses gebaut.

Die Periode mit deutschen Besitzern
Während Herr Münster seine Untersuchungen durchführte, wurde in den Gruben Erz gefördert. Im Vorjahr 1906 waren in den Gruben ungefähr 20 Mann beschäftigt. Die öffentliche Bergwerksstatistik für das Jahr 1908 gibt an, dass die Förderung hauptsächlich in Högåsen stattfand. In der letzten Hälfe dieses Jahres wurden sieben Arbeiterwohnungen so wie die Steigerwohnung und der Lebensmittelladen mit Bäckerei errichtet. Im folgenden Jahr wurde sowohl in Högåsen als auch im naheliegenden Sadalen gearbeitet, dazu ein wenig in Rossneset. In unmittelbarer Nähe des Einschlags des Grundstollens in Högåsen wurden die Arbeiten mit der Sprengung eines Schachts zu den tieferen Sohlen eingeleitet. Die Schürfstellen in Nysæter, Rossneset und Bjørnåsen betrachtete Herr Münster als Reserven. Die anderen Funde sollten durch Stollen von dem neuen Schacht abgebaut werden.

Im Jahresbericht 1910 heißt es: „Das vergangene Jahr kann hauptsächlich als Baujahr betrachtet werden. Die Förderung in den Gruben hatte das Ziel, die Mächtigkeit der Erzvorkommen zu untersuchen und den weiteren Abbau vorzubereiten.“ Der Hauptteil des Aufbaus des Bergwerks begann 1910, als der Verschiffungskai gebaut wurde. In Litlabø wurden das Aufbereitungswerk, die Kompressoranlage und die Dampfzentrale errichtet. 1911 wurde der Förderturm sowie das Maschinenhaus für den Aufzug fertig gestellt, und bei dem Verschiffungskai in Grunnavågneset wurden drei Bunker mit einem Speichervermögen von insgesamt 6000 Tonnen errichtet. Probebetrieb auf der Eisenbahn, in dem Aufbereitungswerk und auf dem Kai wurde im Frühjahr 1911 eingeleitet, aber wegen eines Arbeitkonflikts kam der Betrieb bald zum Erliegen. Im September desselben Jahres wurde der Probebetrieb wieder aufgenommen.

1912 wird als das erste ordentliche Betriebsjahr angesehen, mit einer Produktion von 20.000 Tonnen Erz. Das war aber weniger als ein Drittel der Jahresproduktion, die Herr Münster berechnet hatte.

Der Vorstand der Stord-Gruben begegnete vielen Schwierigkeiten. Einerseits gab es die wirtschaftlichen Probleme. Andererseits zeigte sich, als die Gewinnung aufgenommen worden war, dass das Erz viel ärmer war als Herr Münster veranschlagt hatte. Der Gehalt des Roherzes betrug 22-23 % Schwefel, und daher ergab 2,2 Tonnen Rohmalm nur eine Tonne Exporterz. Es wurde gesagt, in keiner Grube der Welt werde das Erz mit einer solchen niedrigen Erzqualität gewonnen. Deshalb hatten die Stord-Gruben Schwierigkeiten, Absatzmärkte zu finden, die ausreichend hohe Preise für das Erz bezahlen wollten. Ein weiteres Problem gab es mit dem geringen Kapazität des Aufbereitungswerks. Mehrmals versuchte man das Werk zu verbessern und umzubauen. Erst nach einem Umbau 1938 erklärte die Grubenleitung, dass sie mit dem Aufbereitungswerk zufrieden sei. Trotz der Schwierigkeiten wollte der Besitzer, die Zellstoff-Fabrik Waldhof, auf die Stord-Gruben nie verzichten, in die die Gesellschaft so großzügig investiert hatte. Im Laufe der Zeit wurden in der Zellstofffabrik die Maschinen dem armen Erz aus Litlabø angepasst, und in der Zwischenkriegszeit war Waldhof fast der einzige Käufer des Stord-Erzes.

Erst 1926 erreichten die Stord-Gruben das von Herrn Münster veranschlagte Quantum von 70 000 Tonnen Exporterz. Vor dem 2. Weltkrieg stieg die Produktion sogar auf ca. 130 000 Tonnen. Im Jahre 1937 wurden 124.256,6 Tonnen Erz und 17.005,8 Tonnen „Aufbereitungsabgang“ (Makadam-Split) verschifft. 1938 hatten die Gruben 329 Arbeiter und 38 Angestellte.

Der Bau der Eisenbahnbrücke von Litlabø nach Holtangen. Foto ca. 1909.

Vom Tagebau zum Abbau unter Tage
Im 19. Jahhundert wurden die meisten Gruben auf Stord im Tagebau betrieben. Laut Herrn Münsters Pläne wurde der Abbau unter Tage eingeführt. Die ursprünglichen Vorkommen wurden weiterhin abgebaut, aber sie wurden durch Schächte und Strossen unter Tage zugänglich gemacht. In den ersten zehn Jahre erfolgte der Abbau von Sohle 2, also auf demselben Niveau wie der Stollen. Der Bau des Schachts, der zu den tieferen Niveaus führte, wurde erst 1911 in Angriff genommen, aber der Schacht wurde nicht benutzt. Beim Ausbruch des ersten Weltkriegs wurden sogar die Pumpen entfernt. Mehrere Jahre standen der Schacht und die dritte Sohle unter Wasser, bis sie im November 1920 von Wasser geleert wurden, und gleichzeitig wurde auch die Arbeit mit der Erweiterung der Tunnel eingeleitet. In den 20er Jahren wurden mehrere neue Sohlen gebaut. Allmählich entstand ein Spinnennetz von Grubengängen mit dem Schacht als Mittelpunkt. Fast keiner der Tunnel soll mehr als ein Kilometer Länge aufgewiesen haben, aber sie führten in alle Richtungen von dem Schacht ausgehend. 1965 war die Länge von Schacht und Stollen insgesamt 85,5 km. Der Förderschacht mit dem Aufzug ging bis zu Sohle 16 und war 720 m tief.

Von dem Förderturm sieht man den Platz vor den Grubeneingängen. Die Bahn in der Bildmitte transportierte das Erz von dem Schacht in das Aufbereitungswerk. In den 30er Jahren wurde die Bahn durch ein Förderband ersetzt.

Enteignung der Gruben durch den norwegischen Staat
Die Gewinnung von Erz wurde in den Gruben in Litlabø während des 2. Weltkriegs fortgesetzt, aber die Förderung wurde nach einem britisch-norwegischen Commandoraid in der Nacht auf den 24. Januar 1943 eingestellt. Der Export des Erzes nach Deutschland war eine wichtige Ursache für die Sabotage. In mehreren Gebäuden in Litlabø wurden Sprengungen vorgenommen, und u.a. wurden sowohl die Fördermaschinerie, das Kompressorhaus als auch die Lokomotivremise gesprengt. Der Angriff führte dazu, dass die Förderung bis zum 15. März 1943 eingestellt war, aber es gab auch Nachwirkungen, die die Erzgewinnung verlangsamte. Besonders nachteilig wirkte die zerstörte Fördermaschinerie. Zwar konnte der alte Aufzug noch verwendet werden, aber die Kapazität war viel zu gering.

Die Gruben auf Stord wurden Juni 1945 als feindliches Eigentum erklärt, und im Oktober beschloss das „Ministerium für feindliches Eigentum“, die Förderung i den Gruben einzustellen. Später wurde diese Entscheidung geändert, und vom September 1946 wurde regulärer Betrieb wieder aufgenommen. Der norwegische Staat kaufte dann die Gruben und war ab dem 1. Januar 1948 der Eigentümer. Der Kaufpreis betrug eine Million Kronen. Gleichzeitig wurde das deutsche Guthaben von 5,8 Millionen Kronen gestrichen. Dadurch hatte man eine viel bessere wirtschaftliche Grundlage für die weitere Förderung. Dazu kam, dass die neue Grubengesellschaft über erhebliche Erzreserven verfügte. Während des Krieges wurden nämlich übertriebene Untersuchungen durchgeführt, und viel Gestein wurde abgebaut. Durch diese stille Kriegssabotage konnte nach dem Krieg viel freigelegtes Erz gewonnen werden.

In den Nachkriegsjahren wurde in neue Maschinen investiert. Die Scheideranlage wurde umgebaut, der Förderschacht wurde erweitert, so dass neue und größere Grubenloren befördert werden konnten. Die alte Dampfzentrale wurde auf Ölfeuerung umgebaut. Auf dem Verschiffungskai wurde das Hantieren des Erzes durch mehr Mechanik beschleunigt. In die Gruben kamen neun neue Beladungsmaschinen und neue Akkumulatorlokomotiven. In dem Aufbereitungswerk wurde eine neue Flotationsmaschinerie eingebaut. Der Bedarf an Erneuerungen gab es seit Jahren, aber der Krieg hatte die Modernisierung ausgeschoben. Einige Maschinen waren veraltet, und andere wurden durch neue Maschinen ersetzt, um dadurch die Produktionskapazität zu erhöhen.

Die Zeit 1947-1960 bezeichnet man als die goldene Ära für die Gruben auf Stord. Die Exportmärkte waren in dieser Zeit sehr gut, und trotz der normalerweise schlechten Erzqualität ging es den Gruben auf Stord gut. Auch von Bedeutung ist, dass 1950 der alte Besitzer der Gruben, die Zellstoff-Fabrik Waldhof, wieder Großkäufer von Erz aus Litlabø wurde. Die deutsche Gesellschaft blieb noch fünfzehn Jahre ein wichtiger Kunde. 1948 betrug die Gewinnung 7360,9 Tonnen Schwefelerz mit 41,2 % Schwefel und 51631,5 aufbereitetes Erz mit 39,2 % Schwefel. Im selben Jahr wurde 39 545 Tonnen Makadam-Split verkauft. Bis zum Jahr 1965 war insgesamt 7,53 Millionen Roherz gewonnen worden, davon wurde 3,32 Millionen Exporterz hergestellt.

Elektrolok mit Erzloren vor dem Aufbereitungswerk in Litlabø. Das Foto stammt vermutlich aus 1950.

Die große Umstellung in letzter Stunde
Gegen das Ende der goldenen Ära kam man zu der Erkenntnis, dass die Infrastruktur alt und verschlissen war. 1959 wurde der Betrieb oft wegen Reparaturen eingestellt, so dass das Produktionsvolum wesentlich zurückging. Gleichzeitig erlebten alle Bergwerke, dass die Preise für Schwefel rapide sanken. Für die Gruben auf Stord überstiegen vom Jahr 1959 die Kosten die Einnahmen. Die Gesellschaft erwirtschaftete also einen Verlust. Die Ursache war der verbesserte Zugang von Schwefel guter Qualität auf dem europäischen Markt.

Im Herbst 1963 stellte der Vorstand der Gruben drei Vorschläge vor: Die sofortige Einstellung der Förderung. Eine weitere Förderung mit Verlust und mit der Hoffnung auf bessere Konjunkturen. Oder die Wettbewerbsfähigkeit der Gruben durch neue Investitionen sicherzustellen. Der Vorstand wählte den letzten Vorschlag. Sie wollten eine jährliche Produktion von 70 000 Tonnen Erz aufrechterhalten aber mit weniger Personal. Um dieses Ziel zu erreichen mussten 4,5 Millionen Kronen in Schacht, Aufzug, Aufbereitungswerk und Ladeanlage investiert werden. Das Ministerium für Industrie und Finanzen äußerte sich sehr skeptisch zu diesem Vorschlag, und der Vorschlag wurde deshalb zuzurückgezogen. Im folgenden Jahr präsentierte der Vorstand der Gruben einen neuen Plan, der viel pessimistischer war als der Vorige. Der Vorstand war der Auffassung, dass das Aufbereitungswerk durch das ganze Jahr 1966 halten würde. Das Ministerium zögerte noch, aber schließlich wurde der Modernisierungsplan angenommen.

Der große Umbau erfolgte in den Ferien 1967, als die Förderung in den Gruben ruhte. Die Änderungen wurden in dem Aufbereitungswerk vorgenommen, wo sämtliche Maschinen erneuert wurden, aber mit einigen Ausnahmen: Zwei Grobbrecher und die Flotationsabteilung. Die alten Setzmaschinen wurden durch vier neue Remerjiggs ersetzt. Die Eisenbahngleise wurden abgebaut und die Trasse wurde in eine LKW-Straße umgewandelt. Ein neuer Groß-LKW übernahm die Erztransporte zum Kai, wo ein Radlader Schrapper und Förderband ersetzte. Insgesamt wurde 1967 für drei Millionen Kronen modernisiert.

Die Gruben um 1950.

Die Schließung der Gruben
Die umfassende Moderisierung des Transportweges und des Aufbereitungswerks war gelungen, aber dadurch wurde der Bedarf an Modernisierung auch anderswo im Bergwerk sichtbar. U.a. befand sich die 30 Jahre alte Scheideranlage in besonders schlechtem Zustand. Weitere notwendige Verbesserungen wurden auf 2,2 Millionen Kronen berechnet. Gleichzeitung wurde der Absatz des Erzes erschwert. Zwar lagen die Preise im Herbst 1967 wesentlich höher als 2-3 Jahre früher, aber es war schwierig, das Produkt zu verkaufen. 1968 begegneten die meisten norwegischen Schwefelerzhersteller Schwierigkeiten beim Absatz des Erzes. Waldhof, der bei weitem größter Kunde, teilte auch mit, dass wegen einer Betriebsumstellung ihre Ankäufe von Erz aus Stord endgültig aufhörten. Eine Untersuchung der Möglichkeiten eines Absatzes auf anderen Märkten ergaben keine guten Aussichten, nicht nur für 1968 sondern auch für die absehbare Zukunft. Die Einstellung der Gruben wurde dann unumgänglich. Das Gegenargument waren die gerade getätigten Investitionen und die Möglichkeit einer Änderung auf dem Absatzmarkt. Dazu kam das soziale Argument, dass die Bewahrung der vielen Arbeitsplätze in den Gruben auf Stord sehr wichtig war.

Der 30. April 1968 war der letzte Tag, wo in den Gruben in Litlabø in vollem Umfang gefördert wurde. Die Herstellung von Straßensplit wurde noch eine Zeit fortgesetzt, denn Gestein aus der Halde in Hustredalen konnte weiterhin verwendet werden. 1969 wurde 52.000 Makadam-Split hergestellt, aber im Januar 1970 neigte auch diese Tätigkeit dem Ende zu, weil es in der Halde kein verwendbares Gestein mehr gab. Man überlegte eine neue Splitherstellung in einer neuen oder modernisierten Anlage, aber die niedrigen Preise für Split erschwerten die Wirtschaftlichkeit einer solchen Produktion.

Die Pläne sahen voraus, dass die Grubenanlage mit Maschinen weiterhin eingemottet werden sollte, aber eine andere Industrietätigkeit in Litlabø ließ sich nicht verwerklichen. Es waren ausschließlich die Erzvorkommen, die seinerzeit zu einem Industriebetrieb in Litlabø geführt hatten. Vom 24. Oktober 1969 wurde das Auspumpen von Wasser in den Grubengängen eingestellt.

Die große Werft auf Stord (heute: Aker Solutions) war allein, ihr Interesse an dem Kauf der Gruben anzumelden. Man wollte in Litlabø eine industrielle Teilproduktion aufbauen. Als der Vertrag unterzeichnet werden sollte, wollte eine knappe Mehrheit der Kommunalversammlung die kommunalen Vorkaufrechte nützen. Insgesamt viermal wurde in der Versammlung über den Verkauf der Gruben abgestimmt. In der Lokalgesellschaft gab es eine heftige Diskussion, und viele engagierte Leser schrieben in die Lokalzeitung. Am 2. Dezember 1972 wurden die Gruben das Eigentum der Stord Kommune. In den 1970-er Jahre sanierte die Kommune viele Werksgebäude. Sowohl das Aufbereitungswerk, das Scheiderhaus als auch der Grobbrecher wurden eingeebnet, sowie viele der alten Arbeiterwohnungen. Bewohnbare Häuser wurden an Private verkauft. In den verbliebenen größeren Gebäuden haben verschiedene Gewerbebetriebe die Räumlichkeiten gemietet.

Text Per Ivar Tautra
Deutsche Übersetzung Terje Melheim